Was steckt in Ihrer „Reisetasche des Lebens“?

Mit leichtem Gepäck auf Lebens-Reise. Klingt gut – aber was meine ich damit?

Nehmen wir mal an die Reisetasche ist das Unterbewusstsein und der Verstand unser Routenplaner. Dazu haben wir unseren Geist, der den Routenplaner programmiert und die Reisetasche immer wieder kontrolliert. 

Verstand und Unterbewusstsein diskutieren ständig miteinander und unser Geist ist weise und gelassen genug sich wenig einzumischen. 

Unser Geist steckt die Ziele fest und gibt sie in den Routenplaner ein. Dieser spuckt die schönsten, schnellsten oder bequemsten Strecken aus. In der Reisetasche steckt unser Proviant und alles, was wir auf dieser Reise benötigen. 

Der innere Antrieb

Unser Geist kreiert die Vorstellung wohin wir wollen und was wir erleben möchten. Selbst wenn wir glauben, die Vorstellung irgendwo im Außen gefunden oder erzählt bekommen zu haben. Nur Ideen, die irgendetwas in unserem Inneren auslösen bringen uns in Bewegung. Wir gehen sozusagen in Resonanz mit Ihnen. Wir stellen uns auf deren Schwingung ein. 

Das Navi

Unser Verstand zeigt uns Möglichkeiten auf, wie wir dahin kommen. Welche Kenntnisse wir uns wo aneignen können. Mit welchem Aufwand wir bestimmte Fertigkeiten erwerben oder wo die finanziellen Mittel aufzutreiben sind. 

Unser Unterbewusstsein ist der letztendliche Bestimmer. Alle Überzeugungen, Erkenntnisse, Erfahrungen, Erwartungen, Wünsche und Bedürfnisse werden dort gegeneinander abgewogen. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, woher das Unterbewusstsein die Weisheiten zusammen getragen hat. Egal, ob es sich um  Erwartungen unserer Eltern, Überzeugungen unserer Lehrer oder Wünsche unserer Freunde handelt. Sie alle diskutieren mit. Je länger sie das schon tun, um so überzeugender wirken sie auf jüngst hinzugefügte eigene Erfahrungen und Überzeugungen. 

In jeder Reisetasche findet sich von absolut nützlichen bis hin zu völlig  unnötigen Inhalt eine ganz individuelle Zusammenstellung. Solange wir sie noch gut tragen können nehmen wir einfach mal alles mit. Man weiß ja nie…

Wir packen unsere Reisetasche…

Vom ersten Herzschlag an packen wir unsere Reisetasche. Die ersten Jahre unseres Lebens sorgen unsere Bezugspersonen dafür, dass sie sich füllt. Sie erzählen uns wie das Leben für sie bisher funktioniert hat oder auch nicht und wir packen fleißig deren Erkenntnisse in unsere Tasche. So haben wir nach unserer ersten Dekade schon eine ganze Menge zusammen und das Wenigste davon haben wir bewusst ausgewählt sondern von Jenen übernommen, die schon viel länger in diesem Leben auf Reisen sind. Die wissen schließlich was wichtig ist…

In der zweiten Dekade werden wir kritischer. Wir entdecken Diskrepanzen zwischen dem was uns die Alten sagen und dem was sie leben. Das wundern uns und so wird manches wieder aus der Tasche genommen. 

Am Ende der zweiten Dekade haben die meisten von uns ihre Tasche soweit reisefertig, dass mehr oder weniger lange Touren geplant werden können. Wir sind kräftig genug um unsere Tasche zu schultern und loszuziehen. 

Wir gehen auf die Reise

Unser Verstand lockt mit Möglichkeiten.  Wir tasten uns mehr oder weniger schnell auf unseren eigenen Wegen voran und testen so unseren Routenplaner. J

Je nachdem, was sich in unserer Reisetasche bis dahin befindet sind wir für die große Weltreise, die Fahrt in das nächste Dorf oder irgendein Ziel dazwischen vorbereitet. 

Und egal wo wir uns wieder finden, überall treffen wir auf Gleichgesinnte mit ähnlicher Routenführung. Mit Vielen tauschen wir uns aus, packen weitere Überzeugungen in die Tasche und ziehen mit mehr oder weniger Gefährten weiter. 

So ist die zweite und dritte Dekade meist geprägt vom Entdecken neuer Netzwerke und sich darin zu orientieren. 

Immer wieder geben wir unserem Routenplaner neue Ziele vor und er zeigt uns die schönsten, schnellsten oder bequemsten  Strecken dorthin. 

So ganz nebenbei und meist ohne wirklich dafür anzuhalten packen wir weiter unsere Tasche. Wir sind stark und die Tasche lässt sich gut tragen – vielleicht müssen wir manchmal anhalten  und eine Pause einlegen aber nur kurz und es geht weiter im gewohnt schnellen Tempo. 

In der vierten Dekade reisen die meisten von uns routiniert. Die Ziele werden strategisch eingegeben, der Routenplaner spuckt zuverlässig die besten Routen aus und die Tasche wurde meist schon ein paar mal durchforstet und unnötiges Gepäck herausgenommen. 

Je nachdem, wann wir begonnen haben, den Inhalt zu optimieren, stapeln sich unsere Erfahrungen auf mehr oder weniger alten Überzeugungen. Wird sie für ein Ziel zu schwer, packen wir um und trennen uns von Unnötigem.

Oftmals bleibt keine Zeit für tiefes Stöbern darin und damit es schnell geht fliegt das erstbeste raus was uns an der Oberfläche in die Hände fällt. In der Regel sind das unsere jüngsten, von uns noch nicht wirklich verarbeitete Erfahrungen. 

Mit jeder Dekade merken wir das Gewicht der Tasche mehr und mehr.

Gepäck aus der ersten Dekade bleibt unbehelligt, weil in den Tiefen der Tasche verborgen, liegen. 

Mit jeder Dekade merken wir das Gewicht der Tasche mehr und mehr. Wir kommen oftmals nicht mehr weiter, drehen uns um sie herum im Kreis und sind so damit beschäftigt sie überhaupt zu etwas schleppen zu können, dass wir kaum mehr einen Blick auf die Vielzahl der Routen werfen, die unser Routenplaner anzeigt. Wir vergrößern die nächstliegenden Ziele um die Strecke im Detail zu erkennen und um nur jeden Umweg zu vermeiden. Das große ganze Streckenbild verliert sich aus unserem Blickfeld. 

Unser Geist mistet die Reisetasche immer wieder aus

Wäre da nicht unser Geist, würden wir einfach stehen bleiben und aus der Tasche leben. 

Aber unser Geist ist frei, leicht und unbeschwert. Er sieht das ursprüngliche Ziel und die vielen Wegpunkte bis dahin. Immer wieder schickt er uns Gelegenheiten, mit ihm zu reisen. 

Manchmal ist es ein Gespräch, Buch, Film oder die Natur die  uns inspiriert. Manchmal werden wir aus unserer Komfortzone gestoßen. Von einem Gefährten, einer Krankheit, einem Schicksalsschlag oder weil wir es mit uns selbst nicht mehr aushalten. 

Unser Geist schickt uns weiter Ideen – auch die, unsere Reisetasche zu erleichtern damit wir sie gemäß unserer Kraft wieder in Leichtigkeit tragen können. Und so lohnt es sich, auch mal tiefer einzutauchen in den Inhalt unserer Tasche. Was liegt da so ganz unten verborgen und jammert oder stellt uns bei jeder Gelegenheit ein Bein? 

Wir haben die Freiheit, neu zu packen, uns von Dingen zu trennen die out sind oder ihnen einen neuen Look verpassen. Wir bestimmen, was wir tragen wollen – in jedem Sinn. 

Am Anfang mag es unmöglich erscheinen, in dem Chaos dieser Tasche irgendeine Ordnung schaffen zu können. Mit jedem Griff und jeder Neubewertung fällt es leichter zu entscheiden was weiter mit soll, einem Refresh bedarf oder ausgepackt werden darf. 

Dinge, die besonders schwer am Boden liegen sind wie Schilder, die uns den Weg zeigen. 

Was, wenn wir also all die schweren Erinnerungen, die Verletzungen, Ängste oder Traumatas als Ausgangsort sehen und das Gegenteil als den Ort sehen können, wohin wir wollen?

Dann verlieren all dieser Erfahrungen, Überzeugungen, Erwartungen und Bedürfnisse Ihren Schrecken da wir wissen, dass wir da nicht bleiben wollen und genau erkennen, wo sich das Ziel wirklich befindet.

Ist es dann nicht wunderbar, dass wir, um die Richtung zu erkennen, einfach nur die alten Schilder aus unserer Tasche kramen müssen?

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